Beitragsbild mit KI erstellt.

Kennst du das? Du möchtest deinen Unterricht interaktiv, lebendig und praxisbezogen gestalten. Gerade im Online-Unterricht sind digitale Tools für mich unverzichtbar. Sie bringen Abwechslung und geben den Teilnehmenden zusätzliche Möglichkeiten, Wortschatz und Grammatik spielerisch zu üben. Besonders für den DaZ-Unterricht gibt es viele interessante Plattformen, z. B. LearningApps, Quizlet, Genially, Kahoot, Mentimeter und H5P. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Viele davon nutze ich selbst gerne.

Trotzdem stoße ich dabei immer wieder auf zwei Probleme.

1. Die Übungen passen oft nur ungefähr zu meinem Kurs.

Viele vorgefertigte Spiele wurden von anderen Lehrkräften für ihre eigenen Gruppen erstellt und dann netterweise geteilt. Für deren Kurs waren sie genau richtig. Ich bräuchte bei diesen Spielen aber andere Wörter und vielleicht ein anderes Niveau. Oder ich möchte eine bestimmte Grammatik üben, und ausgerechnet die passende Übung enthält Wortschatz, den wir noch gar nicht behandelt haben. Natürlich kann ich in vielen Tools eigene Aktivitäten erstellen. Dabei bin ich allerdings an die Aufgabenformate gebunden, die das jeweilige Tool gerade hergibt, und das kostet Zeit.

2. Viele Funktionen stecken in kostenpflichtigen Tarifen.

Zahlreiche Tools bieten kostenlose Versionen an, mit denen schon einiges möglich ist. Für bestimmte Spieltypen oder mehr Gestaltungsmöglichkeiten braucht man je nach Plattform aber einen kostenpflichtigen Tarif. Ein einzelnes Abo fällt kaum ins Gewicht, doch wenn ich mehrere solcher Tools regelmäßig nutzen möchte, summieren sich die Kosten schnell. Und das ist für mich als freiberufliche Dozentin ein wichtiger Punkt, denn die Zeit, die ich für die Vorbereitung solcher Aktivitäten aufwende, wird nicht bezahlt.

Deshalb nutze ich viele Tools weiterhin in der kostenlosen Version, da damit bereits viel möglich ist. Für ein schnelles Kahoot zwischendurch reicht das oft völlig aus. Mentimeter setze ich gerne für Warm-ups ein und LearningApps ist für Bildungszwecke komplett kostenfrei und bietet ein breites Spektrum an Aktivitäten. Gleichzeitig habe ich ChatGPT und Claude ohnehin abonniert, da ich KI für meine Unterrichtsvorbereitung, für die Binnendifferenzierung, zur Materialerstellung und für mein eigenes Business nutze.

Irgendwann kam deshalb bei mir eine Frage auf: Warum lasse ich mir von der KI eigentlich nur die Inhalte erstellen? Warum lasse ich sie nicht gleich die ganze Aktivität bauen?

Genau das mache ich inzwischen, und zwar ohne selbst programmieren zu können. Ich unterhalte mich mit der KI ganz normal, so wie mit einer Assistentin. Ich beschreibe ihr, was ich brauche, und sage ihr, wie das Spiel funktionieren soll, für welches Niveau es gedacht ist und welche Inhalte hineingehören. Nehmen wir als Beispiel ein Memory-Spiel zum Grundwortschatz mit Wörtern wie Brot, Käse, Milch, Salat, Tomate, Orange, Flasche und Teller. Die KI baut daraus ein fertiges, spielbares Memory, und meine Teilnehmenden bekommen am Ende einfach einen Link, über den sie es spielen können. Ich teste das Ergebnis vorher und passe es gemeinsam mit der KI an. Auf derselben Grundlage kann ich später weitere Varianten ableiten, etwa ein Zuordnungsspiel oder ein Multiple-Choice-Quiz, und dasselbe Memory mit neuen Wörtern für eine andere Gruppe füllen.

Vergleich zwischen bestehenden Lernplattformen und einem selbst erstellten KI Spiel.
Bild mit KI erstellt.

Für mich hat das zwei große Vorteile. Didaktisch passt es endlich, weil ich selbst über Thema, Niveau und Aufgabenformat entscheide. Das Spiel wird genau für die Lernenden entwickelt, mit denen ich gerade arbeite. Außerdem habe ich die Gestaltung in der Hand: Wie das Spiel aussieht, wie es bedient wird und welche Funktionen es hat, kann ich selbst bestimmen, statt darauf angewiesen zu sein, was ein Tool in welcher Abo-Stufe gerade erlaubt.

Dabei geht es mir gar nicht darum, ständig neue Spiele zu entwickeln. Viel interessanter finde ich es, einmal eine gute Grundlage zu schaffen und diese danach immer wieder anzupassen. So wird aus einem Memory für A1-Wortschatz mit wenig Aufwand eins für B1. Ich tausche die Wörter aus, das Grundgerüst bleibt erhalten. Das ist einfacher, als viele denken. Wenn ich das schaffe, schaffst du das auch!

Bestehende Tools wie beispielsweise LearningApps gehören für mich weiterhin fest zum Unterricht. Einen großen Teil meiner digitalen Lernaktivitäten erstelle ich inzwischen jedoch selbst mit KI. So kann ich sie exakt auf meine Gruppe, das Lernziel und den aktuellen Wortschatz zuschneiden, den Teilnehmenden mehr Handlungsspielraum geben und gleichzeitig wertvolle Vorbereitungszeit sparen.

Bleibt die Frage, mit welchem KI-Werkzeug sich so ein Spiel eigentlich am besten erstellen lässt und worauf es dabei ankommt. Genau darum geht es im nächsten Artikel.


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